Herkunft



Rochen sind die unmittelbaren Verwandten der Haie. Sie haben sich bereits in einem frühen Stadium der Evolution (spätes Trias, vor ca. 190 Mio. Jahren) von den Haien abgespalten und eine eigene Unterklasse gebildet. Mit Fug und Recht darf man Haie und Rochen, als »lebende Fossilien« bezeichnen. Sie zählen zu den erdgeschichtlich ältesten Wirbeltieren mit einem Kieferapparat und haben sich von der Wurzel der Wirbeltierentwicklung bis heute in einer erstaunlichen Arten- und Formenvielfalt behauptet. Damit dokumentieren sie eines der erfolgreichsten biologischen Konzepte in der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere. Keine andere Wirbeltiergruppe kann auf eine so lange anhaltende Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Je nach konsultierter Quelle wird die Systematik bis zum heutigen Tag unterschiedlich dargestellt. Man spricht von bis zu 5 Unterordnungen, fast 20 Familien, gegen 50 Gattungen und ca. 530 Arten. Anhand ihrer spezifischen Fähigkeiten und Besonderheiten lassen sich die Tiere wie folgt unterteilen:

    -    Stachelrochenartige
    -    Echte Rochen
    -    Elektrische Rochen/Zitterrochen
    -    Sägerochen
    -    Geigenrochen

Zu den Stachelrochen (Dasyatidae) gehören ca. 130 Arten, unter ihnen die bekannten Blaupunktrochen, Adlerrochen, Peitschenschwanz- und Stechrochen, Kuhnasen- und Schmetterlingsrochen.
Einzelne Arten der Stechrochen werden aufgrund ihres Vorkommens im Süsswasser als Süsswasserstechrochen (Potamotrygonidae) bezeichnet. Zu ihnen zählen drei Gattungen: Die etwa 20 Arten enthaltende Gattung Potamotrygon und zwei weitere, die monotypisch sind.

    -    Potamotrygon
    -    Paratrygon
    -    Plesiotrygon

Im Süsswasser lebende Rochen kommen vor allem in tropischen Ländern vor. Die grösste Artenvielfalt der Familie Potamotrygonidae (Süsswasserstechrochen) existiert in Südamerika. Ihre Lebensräume finden sie in den grossen Strömen wie Amazonas, Orinoco, Rio Magdalena, Rio Paraná, Rio Tocantins und ihren Zuflüssen. Wie die Evolution sie dahingebracht hat, darüber gibt es verschiedene Theorien. Sie scheinen aber den pazifischen Rochen näher zu stehen als den atlantischen. Deshalb glauben viele Experten, dass die Entwicklung der Süsswasserrochen in die Zeit vor der Entstehung der Anden zurück geht, als die grossen Flüsse noch in den Pazifik mündeten. Die Salzwasserrochen bevölkerten langsam die Flüsse und gewöhnten sich allmählich zuerst ans Brackwasser, später ans Süsswasser. Vielleicht wurden sie wegen der Erhebung des Andengebirges im Westen und der Bildung des Amazonasbeckens sogar dazu gezwungen. Sie verloren dabei die Salzdrüse und die Fähigkeit im Salzwasser zu überleben. Das Absinken des Meeresspiegels und das Auseinanderdriften der Kontinente Südamerika und Afrika sorgten dafür, dass sich die unendlichen Wassermassen nun in den Atlantik ergiessen konnten.



Potamotrygon leopoldi gehören zur Familie der Schwarzen Rochen. Im Gegensatz zu anderen Arten, welche viele Unterarten oder Morphen ausgebildet haben, sind diese in einem enger begrenzten Gebiet anzutreffen:

    -    Potamotrygon leopoldi (P13) hält sich im Rio Xingú auf

    -    Potamotrygon leopoldi cf Itaituba (P14) lebt im Rio Tapajós

Eine weitere Art, die zur Familie der Schwarzen Rochen gezählt wird, ist Potamotrygon henlei (P12). Diese halten sich in den Flüssen Rio Tocantins und dessen Seitenarm Rio Araguaia im Norden Brasiliens auf.

Im Rio Tapajós südlich von Itaituba findet man eine weitere Art, die mich fasziniert:

    -    Potamotrygon spec. pearl ray

Alle oben erwähnten Arten leben in Klarwasserflüssen. Der Nährstoffgehalt des Wassers ist sehr gering und der pH-Wert tendiert zu sauer. Klarwasser ist mit destilliertem Wasser vergleichbar und kaum verunreinigt. Aufnahme des Rio Xingú:



Daneben differenziert man noch zwei weitere Klassen: die Weisswasser- und die Schwarzwasserflüsse. Zum Weisswasser wird der Amazonas mit dem Rio Madeira gezählt. Sie führen mineralreiches, lehmig-trübes, hellbraunes Wasser mit neutralem Säuregehalt. Bei der Einmündung des Rio Tapajós in den mit Sedimenten durchsetzten Amazonas wird der Farbunterschied besonders deutlich (Bild flussaufwärts aufgenommen):



Der König der Schwarzwasserflüsse ist der Rio Negro, der vielen Aquarianern schon bekannt ist (extrem niedriger pH-Wert). Der Fluss erhielt seinen Namen aufgrund seines schwarzen durch Huminsäuren gefärbten Wassers. Ähnlich den Klarwasserflüssen ist auch sein Nährstoffgehalt sehr gering.